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Von Rochen und Haifischen

Veröffentlicht am 05.02.2012 von Marie-Laure Noray-Dardenne - Ansicht die Kommentare

Auszug aus dem Buch « Le Livre des Imraguen, Pêcheurs du Banc d’Arguin en Mauritanie » von Marie-Laure de Noray-Dardenne, Verlag Buchet et Chastel.

Die Gewässer von Banc d’Arguin sind zwar immer schön aber nicht immer sicher. Natürlich tummeln sich dort lächelnde Delphine, quirlige Doraden, springende Meeräschen und Krabbenschwärme, die wohl eher Angst machen als ernsthaften Schaden anrichten….aber es kann auch passieren, dass man hinter einer unverdächtigen Welle auf einen Haifisch trifft. Es gibt viele verschiedene Hai-Arten und man sollte sich hüten, ihrem schläfrigen Blick zu trauen. Einige von ihnen können sehr bösartig sein und reagieren innerhalb eines Sekundenbruchteils. Die Haie und ihre Verwandten, die Rochen, haben die Imraguen, die das zarte, weiße Fleisch der Meeräschen und Doraden bevorzugen, nie interessiert. Man sah zwar ab und zu vereinzelte fremde westafrikanische, ghanaische oder malische Fischer auf der Jagd nach Rochen – entweder zum eigenen Verzehr oder zur Belieferung von Restaurants in den großen Städten - aber das hat den Bestand der Knorpelfische bisher nicht ernsthaft beeinträchtigt. Zu den Knorpelfischen zählen auch die Haie und Rochen, die in den nährstoffreichen Gewässern des Banc bisher von optimalen Lebensbedingungen profitierten.

Jedoch steigt seit den 90er Jahren die Nachfrage des asiatischen Marktes: Die großen Nahrungsmittelfirmen verlangten nach Haifisch, genauer nach Haifischflossen, um damit eine vermögende Klientel zufriedenzustellen, die in dieses seltene und angeblich äußerst delikate Fleisch regelrecht vernarrt ist. In den ersten Jahren haben sich die Imraguen diesem Trend angeschlossen und den Fang von Haien, der spezielle Netze erforderte, mitgetragen – angestachelt von spezialisierten Fischgroßhändlern, die meinten, plötzlich den Goldesel gefunden zu haben. Allein für die Flossen opferten sie Berge von Tieren, die dann die Gewässer der Dörfer in ein einziges Massengrab verwandelten. Bereits einige Jahre dieser „Fischerei“ haben das Überleben vieler Arten und vor allem der Arten, die sich langsam fortpflanzen, stark gefährdet.
Die Forscher waren alarmiert und der Nationalpark hat in letzter Minute ein Verbot des Haifischfangs angeordnet. Einzig unbeabsichtigte Fänge von Rochen und Haien von nun an toleriert, etwa wenn die Netze für andere Fischarten wie Meeräschen oder Adlerfische ausgelegt waren. Die Fischer aus Ghana und Mali sind immer noch da und kaufen zu einem sehr kleinen Preis einige der Knorpelfische, die sie noch an Ort und Stelle zum Pökeln in eine Salzlake einlegen und anschließend in gepökeltem Zustand exportieren.

„Im ersten Jahr nach dem Verbot waren wir getroffen, ja sogar verärgert. Wir mussten auf einen Fisch verzichten, der uns großen Gewinn brachte und der mittlerweile fester Teil unserer Arbeit geworden war. Schließlich haben wir uns daran gewöhnt. Wir haben in jenem Jahr viele Meeräschen und Adlerfische gefangen, so hatten wir doch noch einige Einnahmen.
Das Verbot des Haifischfangs hat uns sehr geschädigt. Zuvor konnten wir uns pro Jahr mehrere hochwertige Boubous (traditionelles westafrikanisches Gewand der Männer) leisten… heute begnügen wir uns mit einem einzigen.
Ich habe mein Toyo-Netz noch nicht verbrannt, wie man es von uns verlangt hatte aber ich benutze es nur noch als Vordach für mein Tikkit.

Wir, die Imraguen, sind immer einverstanden, wenn es darum geht, die Natur zu respektieren. Deshalb haben wir auch das Verbot des Haifischfangs akzeptiert. Trotzdem….als ich eines Tages in Portugal hunderte Tonnen Haifischfleisch auf einem Schiff gesehen habe, dachte ich mir schon so meinen Teil: Mit Hilfe des Nationalparks haben die Europäer uns genau das verboten, was sie woanders – und dies mit viel Profit - selbst tun! Das Fangen von Haifischen müsste überall verboten werden…“

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